Noch einmal Greener Solutions: Interview mit Firmengründer Colin Armstrong-Bell Januar 10, 2008 | 12:52 am
Noch einmal Greener Solutions: Interview mit Firmengründer Colin Armstrong-Bell

Irgendwie hat mich das Thema Handyrecycling nicht losgelassen und ich war einfach neugierig. So habe ich mich um mehr Antworten bemüht und schließlich ein Interview mit dem Gründer von Greener Solutions ,Colin armstrong-Bell, zustande bekommen.

Hier die Fragen und Antworten. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen, was die LeserInnen dieses Weblogs interessieren würde:

1. Wie und wann kam Ihnen die Idee zu Greener Solutions?

Es hat in New York begonnen. Auf einer Investment Banking Conference im Jahr 2000 diskutierte ich mit einem Direktor von Nokia. Er äußerte sich besorgt über die Unmengen alter Handys, die nach einem Neukauf ungenutzt bleiben. Da ich zu dieser Zeit das Bedürfnis hatte, etwas Neues zu tun, habe ich aus der Grundinformation zusammen mit Freuden eine Geschäftsidee entwickelt.

Unsere ersten Recycling-Umschläge haben wir auf dem London Marathon verteilt, damals kam ein Teil des Erlöses einer Stiftung eines körperlich beeinträchtigten Freunds zugute. Ursprünglich hießen wir XS Tronix, unter dem Namen "Greener Solutions" (Grüne Lösungen) haben wir Handyrecycling angeboten. Da dieser Slogan als Firmenname griffiger war als XS Tronix, haben wir uns entsprechend umbenannt und seitdem ist "Greener" Bestandteil unserer anderen Firmen- und Markennamen, TalkGreener und Trade Greener.

2. Ist eine Ausweitung auf andere Bereiche wie beispielsweise VoIP geplant? Wenn ja, wann?

Im Telekommunikationsbereich agieren wir zurzeit mit unseren beiden Mobilfunk-Tarifen TalkGreener Mobil und TalkGreener Business. Wir hatten Anfang des letzten Jahres ein Festnetzangebot, mussten aber aufgrund von Differenzen mit dem von uns beauftragten Dienstleister den Service wieder einstellen. Wir überlegen, auch weil unsere Festnetz-Flatrate gut angekommen ist, in diesem Jahr neu zu starten und das Paket eventuell mit einem DSL Anschluss zu koppeln. Dann wäre das Thema VoIP auch für uns interessant.

3. Bestehen Zusammenarbeiten mit dem öffentlichen Sektor wie beispielsweise Schulen und/oder Behörden? Werden diese überhaupt angestrebt?

Auch Behörden nutzen unsere Dienstleistungen und schicken uns alte Diensthandys wie auch Firmen und Organisationen. Bei "Handy-Back" – so nennen wir dieses Dienstleistung, erhalten die Einsender einen Fixbetrag pro Handy und bekommen von uns einen Entsorgungsbericht, damit in entsprechenden Publikationen, etwa einem Jahresbericht oder einem Umweltbericht die fachgerechte Entsorgung nachgewiesen werden kann.

Für Schulen gibt es die Aktion Schlafhandys (www.schlafhandys.de), die wir zusammen mit dem Deutschen Kinderhilfswerk durchführen. Schüler und Schulen sammeln Handys und schicken sie an uns. Pro Handy erhält das DKHW 50 Cent oder 4 Euro, je nach Zustand. Die Schulen erhalten pro weiter verwertbarem Handy einen Computergutschein. 400 Gutscheine können bei Greener Solutions für einen PC eingelöst werden. Alle drei Monate erhält die Schule, die im Verhältnis zu den Schülerzahlen die meisten Handys gesammelt hat, zusätzlich einen PC von uns. Eine einfach Aktion, die von vielen Schulen angenommen wird. Mehr als 20.000 Handys konnten so eingesammelt werden.

4. Wonach errechnet sich der Rücknahmepreis bei einem Recycle-Handy?

Das ist relativ einfach. Der Preis orientiert sich am Verkaufspreis, den wir erzielen können. Da wir mit großen Mengen handeln ist der Preis pro Handy damit natürlich niedriger als bei einem Verkauf von Privat zu Privat.

5. Was passiert mit den alten Handys? Werden diese direkt an die jeweiligen Firmen gesendet?

Die Handys, die nicht wiederverkauft werden können werden an einen zertifizierten Recyclingdienstleister gegeben, der die Handys schreddert, die Bestandteile trennt und anschließend die Rohstoffe verkauft.

6. Kann man alte Handys auch direkt an die Firmen senden?

Prinzipiell könnte man die alten Handys auch an die Hersteller schicken, da für Hersteller und Erstvertreiber in Deutschland und Europa eine gesetzliche Rücknahmepflicht besteht, die diese entweder selbst oder durch Teilnahme an einem Rücknahmesystem erfüllen. Geld für ein ungenutztes Handy oder die Möglichkeit, das Handy auch zu spenden, hat man dann natürlich nicht. In Deutschland sind wir der Recyclingpartner aller großen Mobilfunkanbieter, die gleichzeitig die größten Erstvertreiber für Handys in Deutschland sind. In allen Filialen kann man entsprechende Rücknahmeumschläge bekommen, die teilweise auch mit neuen Handys verschickt werden.

7. Haben Sie eine Vision für die nächsten zehn Jahre?

Ich würde in zehn Jahren mit Greener Solutions und unseren Dienstleistungen gerne fest verankerter Teil einer breiten Umweltbewegung sein. Durch unsere CO2-neutralen Mobilfunktarife zeigen wir schon heute, dass Umweltbewusstsein in jedem Dienstleistungsbereich selbstverständlicher Bestandteil sein kann und muss. Handyrecycling in Deutschland ist darüber hinaus in meiner Vorstellung in zehn Jahren so selbstverständlich wie heute Mülltrennung.

Herzlichen Dank für das Interview!


2 Responses to “Noch einmal Greener Solutions: Interview mit Firmengründer Colin Armstrong-Bell”

  1. Helga@LG Says:

    Könnte man die alten Handys nicht sinnvoller weitergeben anstatt sie zu verschreddern?

  2. Christoph Römer Says:

    Ich glaube, es werden nur die Handys geschreddert, die nicht weiterverkauft werden können. Die anderen bleiben in Benutzung …

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